Aus den Tiefen der Psyche

Von
Eva Bigler, Künstlerische Leitung Kunsthaus Zofingen

«Soleil noir», Eva Aeppli, 1975–1976. zvg

Wer war Eva Aeppli und wie sprechen uns ihre Kunstwerke heute noch an? Das Kunsthaus Zofingen spannt einen Dialog auf zwischen zeitgenössischen Künstler*innen und der geheimnisvollen «Malerin des Todes».

Ohne Zweifel gehört Eva Aeppli zu den faszinierendsten Schweizer Künstlerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aeppli (* 2. Mai 1925 in Zofingen; † 4. Mai 2015 in Honfleur, Frankreich) war eine Schweizer Materialkünstlerin. 2025 jährt sich der Geburtstag dieser herausragenden Künstlerin zum hundersten Mal. Auch ihr Todestag jährt sich zum zehnten Mal. Dies ist für das Kunsthaus Zofingen ein gelegener Anlass, der Künstlerin in ihrer Geburtsstadt eine Ausstellung im zu widmen.

Aeppli wuchs in Basel auf und schuf seit den 1950er-Jahren ein Werk, das von grosser Intensität geprägt ist und in dem sie den Tiefen der menschlichen Psyche nachspürte. Es entstanden Kohlezeichnungen, grossformatige Gemälde, Stofffiguren und Bronzeköpfe sowie gemeinsame Skulpturen mit Jean Tinguely, mit dem sie 1952 nach Paris ging und bis 1961 verheiratet war. Bekannt wurde Eva Aeppli durch lebensgrosse, oft düstere Textilpuppen, vorzugsweise aus Seide und Samt. Die Themen ihrer Kunst waren Trauer, Einsamkeit und Tod.

Bereits zu Lebzeiten (1990) stellte Eva Aeppli im Kunsthaus Zofingen, damals «Kunst im Alten Schützenhaus» genannt, aus. Auf Initiative des damaligen Kurators Roberto Alberati präsentierte sie lebensgrosse Einzel- und Doppelfiguren, eine Serie von Bronzeköpfen, die astrologische Tierkreiszeichen darstellen, sowie weitere Werke. Ergänzend zeigte ihr Lebenspartner Samuel Mercer grossformatige Gouachen. Beide Künstler*innen verzichteten bewusst auf eine Einführung in ihr Werk – vermutlich, um dem Publikum eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit den Kunstwerken zu ermöglichen.

Aepplis Figuren sind von tiefen Emotionen geprägt und eröffnen eine intensive Auseinandersetzung mit existenzi­ ellen Themen. Ein karges, asketisches Menschenbild stand bei ihren Werken im Zentrum. Ihre reduzierte Formensprache und eine schwarz-weiss dominierte Farbskala kennzeichneten die grossformatigen, flächig-raumlosen Gemälde. Die düsteren Motive mit dürren Figuren und oft übereinandergeschichteten Skeletten und Totenschädeln und die dunkle Farbpalette trugen Aeppli das Etikett «Malerin des Todes» ein. Eva Aepplis Schaffen entzieht sich einer eindeutigen kunsthistorischen Kategorisierung. Die Künstlerin scheute weder die Figuration noch christliche Ikonografie oder Astrologie und bewegte sich damit ganz bewusst abseits zeitgenössischer Kunstströmungen. Da sie selbst kaum über ihre Arbeit sprach, bleibt die Einordnung ihres Werks eine Herausforderung.

In einem Brief 1 aus dem Jahr 1999 – einem der wenigen Dokumente, in denen sie ihre Werke kommentiert – kritisierte sie, dass die meisten Menschen sich damit zufriedengeben, über Kunstwerke zu lesen, anstatt selbst hinzusehen und nachzudenken. Dieser Ansatz inspiriert auch heute noch meine kuratorische Arbeit in einem Kunsthaus für Gegenwartskunst, und gerade deshalb ist eine Gegenüberstellung mit zeitgenössischen Kunstwerken ein spannender und ertragreicher Ansatz, der neue Perspektive eröffnet. Wie ordnen Künstler*innen der Gegenwart das Werk von Eva Aeppli ein?

Die Ausstellung «Eva Aeppli im Dialog» zeigt zentrale Werke der Künstlerin aus den 1960er-bis 1990er-Jahren in Gegenüberstellung mit vier zeitgenössischen Kunstschaffenden: Peter Aerschmann, Nici Jost, Augustin Rebetez und Ana Vujić. Diese Gegenüberstellung eröffnet neue Perspektiven auf Aepplis Werk und unterstreicht dessen Relevanz für die heutige Kunstszene. Die vier zeitgenössischen Künstler*innen arbeiten in unterschiedlichen Medien und interpretieren Aepplis Themen auf vielfältige Weise. In raumgreifenden In stallationen, Videoarbeiten, Skulpturen, Objekten, Gemälden und Zeichnungen setzen sie visuelle Impulse, die Aepplis Werk in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Die Ausstellung ist eine Einladung, sich auf die Werke von Eva Aeppli, Peter Aerschmann, Nici Jost, Augustin Rebetez und Ana Vujić einzulassen, eigene Gedanken zu entwickeln und neue Perspektiven auf die vielschichtigen Themen dieser aussergewöhnlichen Kunstschaffenden zu entdecken.

«Invisible», Peter Aerschmann, 2022. zvg

Augustin Rebetez, ohne Titel, 2024

Eva Aeppli im Dialog

Donnerstag, 22. Mai 2025

18:30 – 19:30 Uhr
Kunsthaus Zofingen
Zofingen

Eva Aeppli im Dialog

Sonntag, 18. Mai 2025

14:00 – 16:00 Uhr
Kunsthaus Zofingen
Zofingen

Eva Aeppli im Dialog

Samstag, 03. Mai 2025

16:00 – 17:00 Uhr
Kunsthaus Zofingen
Zofingen

Eva Aeppli im Dialog

03. April 2025 – 13. Juni 2025

Die genauen Öffnungszeiten finden sie auf der Website des Veranstalters
Kunsthaus Zofingen
Zofingen

Eva Aeppli im Dialog

05. April 2025 – 15. Juni 2025

Die genauen Öffnungszeiten finden sie auf der Website des Veranstalters
Kunsthaus Zofingen
Zofingen

Eva Aeppli im Dialog

Sonntag, 15. Juni 2025

15:30 – 17:00 Uhr
Kunsthaus Zofingen
Zofingen