Sie kennen es bestimmt: Später November, Sie sind irgendwo unterwegs, denken nichts Böses, doch plötzlich wird ihr Trommelfell attakiert von einer samtig frömmeligen Fröhlichkeit. Aus versteckten Lautsprechern schwappt Ihnen der Schaum von Weihnachtshits entgegen. Die ganze Sorglosigkeit fällt auf einmal in sich zusammen. «Last Christmas» etwa ist so ein Verbrechen oder «All I want for Christmas is you». Ja, der Countdown läuft.
Natürlich ist heutzutage niemand mehr einfach irgendwo sorglos unterwegs. Das ist ja gerade das Skandalöse an diesen Liedern, dass sie uns ziemlich vulgär an «eine Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat» erinnern. Diese Zeit hat es nie gegeben und sie wird auch nie kommen. Im Gegenteil, hat einen das Leben der letzten zwei Jahrzehnte nicht gelehrt, solche Trugwelten aus der Konserve mit einer guten Portion Skepsis zu geniessen? Be careful what you wish for. Das ist auch ein Gesetz aus den Märchen, jedoch eines, das sich für einmal auch in unsere Wirklichkeit transferieren lässt und so wunderschön in die Budenzauberweihnachststimmung passt.
Die X-Mas-Maschinerie läuft also wieder auf Hochtouren und manche legen sich bereits Strategien zurecht, wie sie den Trubel aus Konsumrausch, Kitsch und Weltvergessenheit unbeschadet überleben können, ohne gänzlich zum cringigen Partycrasher zu werden. An alle, die sich angesprochen fühlen: Ihr seid nicht allein. Auch wir vom Aaku können uns dem dunklen Sog, der vom Jahresende ausgeht, nicht entziehen. Aber wir haben eine Apotheke voller säkularem Gegengift, das die Tage doch etwas erträglicher macht.
Das Zofinger Kunsthaus zeigt etwa Pat Nosers und Monsignore Dies’ Perspektive auf die Konsumgesellschaft. Und diese kritisch-ironische Auseinandersetzung ist so bunt, wie ein Süsswarengeschäft. Liebe und weniger liebe Clowns, wie etwa Gardi Hutters Hanna und der Pierrot von Max Merker, Emma Murray und Téné Ouelgo lassen über Machtstrukturen, ja über «Old White Clowns» nachdenken. Was uns ziemlich in die Gegenwart katapultiert, wo milliardenschwere Polit-Knalltüten Konjunktur feiern.
Um die konservativen Fantasien aus der Weihnachtsdeutungsmaschine (traditionelles patriarchales Familienbild) etwas zu kontrastieren, ist etwa Daniel Hellmanns «Queere Tiere» zu empfehlen. Er reist mit seiner Drag-Figur Soya the Cow ins Thik nach Baden und bringt für eine (künftige) Arche (oder gar fürs Krippenspiel?) gleich die Tiere mit: schwule Schafe, lesbische Albatrosse, zweigeschlechtliche Schnecken und Transgender-Clownfische.
Besser als jeder Wunsch, der in Erfüllung geht, ist die Überraschung. Und für diese garantieren die Kulturhäuser im Kulturkanton. Sehen Sie sie als begehbaren Adventskalender. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen entschleunigte und abenteuerliche Feiertage. Geben Sie sich Sorge!