Kulturförderung

Inklusion als gelebte Realität

Von
Simona Hofmann

Der Verein Zukunftslabor baut gemeinsam mit verschiedenen Akteur*innen ein Netzwerk für eine inklusive Kultur im Kanton Aargau auf. Ein Zwischenbericht.

Im Kanton Aargau Ost hat sich eine starke Bewegung geformt: Inklusion wird nicht mehr nur als Schlagwort verstanden, sondern zunehmend als gelebte Realität. Die Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen, Menschen mit Beeinträchtigungen und Expert*innen für Inklusion und Innovation zeigt, dass Barrieren abgebaut werden können – wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Christian Vontobel, Rollstuhlfahrer und Workshop-Co-Leiter, betont: «Barrierefreiheit ist eine Pflicht, aber noch lange nicht überall Realität. Es braucht echte Veränderungen.» Erste Workshops und Pilotprojekte haben den Weg für eine inklusive Kulturlandschaft und ein breit abgestütztes Netzwerk bereitet. Die Reaktionen der Beteiligten zeigen, dass dies kein Wunschdenken ist, sondern ein realistisches Ziel.

Zusammenarbeit und praxisnahe Ansätze

Der Verein Zukunftslabor arbeitet in enger Kooperation mit Sensability, lokalen Kulturakteur*innen und Menschen mit Beeinträchtigungen, um praxisnahe Ansätze für mehr Inklusion zu entwickeln. Diese Initiativen gehen über theoretische Konzepte hinaus und setzen konkrete Massnahmen um. Die Erkenntnisse aus den Workshops werden am 17. Januar im Stapferhaus in Lenzburg präsentiert und sollen nachhaltig verankert werden. Das Stapferhaus setzt sich bereits seit längerem mit grossem Engagement für Inklusion ein. Celia Bachmann, Leiterin Vermittlung und Inklusion, hebt den Wert interner Expertise hervor: «Unsere Inklusionsagent*innen mit unterschiedlichen Behinderungen zeigen uns Barrieren auf und helfen bei deren Überwindung. Ihre Perspektiven bereichern unsere Arbeit.» Diese Einsicht verdeutlicht, dass die Integration Betroffener die Vielfalt der Perspektiven erhöht und zu besseren Ergebnissen führt.

Austausch und Zusammenarbeit

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Vernetzung. Kulturmenschen teilen Erfahrungen und Ressourcen, um Barrieren zu beseitigen und Inklusion nachhaltig zu verankern. Nadine Tobler, Leiterin des Theaters im Kornhaus Baden, erklärt: «Vor Ort mit Expert*innen die Situationen anschauen nimmt uns Veranstalter*innen die Angst. Es zeigt uns, dass es gar nicht so schwer ist, einiges zu verbessern, damit Kultur endlich für alle zugänglich(er) wird.» Die Workshopreihe wird durch die Unterstützung von Institutionen und Stiftungen wie Swisslos, der Ernst Göhner Stiftung und dem Bundesamt für Kultur gefördert, welche Pilotprojekte wie beispielsweise die Audiodeskription einer Vorstellung im Circus Monti ermöglichten. Janine Keller, eine blinde Teilnehmerin, beschreibt ihre Erfahrung mit den Audiodeskriptionen anlässlich der Vorstellung in Wettingen: «Ich war hellauf begeistert, wie gut die Schauspielerin in der Sprecherinnenkabine alles bildstark und live beschrieben hat. Es war richtig schön, wieder Zirkus zu erleben – fast wie früher, als ich noch sehen konnte.»

Nächste Schritte

Ein weiterer Workshop im Odeon Brugg sowie der Abschlussworkshop und das Netzwerktreffen im Stapferhaus in Lenzburg markieren bedeutende Schritte zur Festigung und zum Ausbau der bisherigen Ergebnisse. Das Odeon Brugg ist ein exemplarisches Beispiel für gelebte Inklusion. Sue Luginbühl, Leitung Bühne, beschreibt: «Unser Kulturhaus will für alle offenstehen. Wir setzen verschiedene Technologien für Menschen mit Hörbehinderung und barrierefreie Zugänge für Rollstuhlfahrer*innen ein, sind aber weiterhin auf Feedback angewiesen, um noch besser zu werden.» Diese Offenheit für kontinuierliche Verbesserung ist ein Schlüssel für den Erfolg. Eine weitere Workshopreihe im Kanton Aargau West ist im nächsten Jahr geplant, um das Netzwerk zu erweitern und die gewonnenen Erkenntnisse zu vertiefen.

Erkenntnisse und Herausforderungen

«Innovation und Zusammenarbeit aller Akteur*innen sind der Schlüssel zu einer Kultur, die wirklich für alle zugänglich ist», sagt Urs Dätwiler, Initiator des Zukunftslabors. Er betont, dass der Weg zur Inklusion durch klares Zukunftsdenken, das Erfüllen der gesetzlichen Vorgaben und vor allem durch die vereinte Kraft aller Beteiligten gestaltet und umgesetzt werden muss. Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Der Weg ist anspruchsvoll, doch die ersten Schritte sind gemacht. Jetzt gilt es, weiterzugehen und Inklusion als festen Bestandteil der Kulturlandschaft und ebenso als gesellschaftliche Verpflichtung zu verankern. Von Simona Hofmann

Nächster Anlass: Fr, 17. Januar, im Stapferhaus, 15 Uhr (Ausstellungsbesuch), 18:15 Uhr Apéro. Interessierte können sich bei nicole.sourt@sensability.ch anmelden